Der Fährmann

Autorin: Regina Denk
ISBN: 978-3-426-56629-9
Seiten: 448
Erschienen: 02.03.2026 bei Droemer-Knaur
Genre: Historischer Roman
Verlagsseite

Mein Dank geht an NetGalley, die mir das eBook als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

Kurzbeschreibung des Verlags

Hohenwart und Siegering, Anfang des 20. Jahrhunderts: Als Fährmann muss Hannes Winkler dem Brauch folgen, sich keine Frau zu nehmen. Denn sollte sein gefährlicher Beruf sein Leben fordern, darf er keine bedürftigen Angehörigen zurücklassen. Hannes’ Herz gehört trotzdem schon lang seiner Jugendfreundin Elisabeth. Doch die ist Josef Steiner versprochen, dem Erben des größten Hofes am diesseitigen Ufer der Salzach. Das trifft nicht nur Hannes und Elisabeth hart, die seine Gefühle erwidert: Elisabeths beste Freundin Annemarie hatte sich Hoffnung auf eine Heirat mit Josef gemacht.

Während der 1. Weltkrieg die kleine Gemeinschaft diesseits und jenseits der Salzach in Österreich und Deutschland spaltet, gerät das Leben der vier jungen Leute in einen Strudel aus Gewalt, Aufbegehren und Schuld. Als schließlich ein Kind verschwindet, wird eine tödliche Spirale in Gang gesetzt.

Autorinnenbiografie des Verlags

Regina Denk wurde 1981 an der bayerisch-österreichischen Grenze geboren. Die Liebe zu ihrer Heimat wurde ihr, zusammen mit der Leidenschaft für Geschichten, in die Wiege gelegt. Das Schreiben und die Berge begleiten sie schon ihr Leben lang. Vom Literaturstudium in München, bis ans andere Ende der Welt und wieder zurück in die Heimat, wo sie heute lebt – ein Bein in Bayern, das andere in Österreich. Unter dem Pseudonym Fanny König veröffentlichte sie humoristische Bayern-Krimis. Nach „Die Schwarzgeherin“ ist „Der Fährmann“ ihr zweiter Roman bei Droemer.

Meine Meinung

Das Buch wird im Wechsel aus den Perspektiven der Jugendlichen/jungen Erwachsenen Elisabeth, Annemarie, Hannes und Josef geschrieben. Dadurch kommt man den einzelnen Personen sehr nah und erhält einen intensiven Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt.

Auch wenn ihre Schicksale sich deutlich voneinander unterscheiden, ist ihnen doch gemein, dass sie keine Kontrolle über ihr Leben haben. Ihr Weg ist vorgezeichnet, ob sie heiraten dürfen, wen sie heiraten müssen, welche Rolle sie im Leben zu übernehmen haben.

Zentrale Themen des Buches sind neben der fehlenden Kontrolle über das eigene Leben auch häusliche Gewalt, als normal angesehene sexuelle Belästigung und das Wegschauen der Gesellschaft, die die Opfer schutzlos zurücklässt. Aber auch bei den Tätern und den Mitmenschen, die wegsehen, ohne zu helfen, habe ich mich gefragt, ob sie überhaupt eine Chance hatten, anders zu werden. Auch ihr Leben war von Anfang an vorgezeichnet, die Erziehung durch die eigenen Eltern, aber auch durch das soziale Umfeld zielte auf Anpassung ab.

In der zweiten Hälfte des Buches spitzt sich die Situation durch den Ersten Weltkrieg noch zu.

Der Schreibstil der Autorin beeindruckt mich durch die bildhafte und kraftvolle Sprache. Man fühlt sich den einzelnen Figuren tief verbunden und die Autorin zwingt die Lesenden, genau hinzusehen und die Menschen wirklich zu verstehen. Gleichzeitig gelingt es ihr, mit wenigen Worten eine Szene so lebendig zu schildern, dass sie vor dem inneren Auge Gestalt annimmt.

Und dann gibt es die kursiv gedruckten Kapitel, die mit Anderswo überschrieben sind und in denen der Fluss im Mittelpunkt steht, der eine Bedrohung sein kann, der Menschen das Leben kostet, der aber auch der Ort sein kann, an dem man zusammen ist, an den man sich zurückzieht und in dem man schließlich zur Ruhe findet.

Der Fährmann ist mein erster Roman von Regina Denk, aber ich werde sicher zeitnah auch zu ihrem ersten Roman Der Schwarzgeher greifen (ebenfalls erschienen bei Droemer-Knaur). Eine unbedingte Leseempfehlung.

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